Einen Moment...

Verdammt gut gelaufen

- Erotischer Liebesroman -

von Maik Harmsen

 

Kapitel 1

Die Bewerbung

Es war einer dieser kalten Spätwintertage. Ich hatte überhaupt keine Lust aufzustehen. Aber ich hatte ein Bewerbungsgespräch bei einer Firma die Essen auf Rädern liefert. Ich sollte mich dort als Fahrer bewerben. Das Jobcenter hatte mir nahegelegt diese Stelle anzunehmen. Seit dem Tod meiner Eltern hatte ich nicht mehr gearbeitet. Eigentlich hatte ich zu diesem Job auch keine richtige Lust. Es war Montag, der vierundzwanzigste Februar. Ich wälzte mich im Bett hin und her und grübelte darüber nach, wie ich diesen Job ablehnen wollte. Allerdings, überlegte ich mir, würde ich auch wieder mehr Geld in der Tasche haben. Mit meiner Sozialhilfe kam ich gerade so über die Runden. Dann gab ich mir einen Ruck, sprang aus meinem Bett und ging in das Bad um mich zu rasieren, zu duschen und mir die Haare zu waschen. Zuvor musste ich allerdings noch schnell meine Blase entleeren. Dabei überkam mich ein wunderschönes Gefühl und ich hatte große Lust noch schnell Hand anzulegen, lies es aber dann doch sein.

Anschließend machte ich mir Frühstück. Um 10.30 Uhr hatte ich meinen Vorstellungstermin. Ich zog mir eine saubere Jeans, ein blau gestreiftes Hemd, einen Unifarbenen schwarzen Pullover, sowie schwarze Boots an. Dann habe ich schnell noch meinen Anorak übergestreift und schon stiefelte ich los. Draußen war es bitterkalt. Gefühlte zehn Grad Minus. Es wehte ein böiger Ostwind. Ich stieg in mein Auto ein. Diese Wetterlage hatte auch einen Vorteil. Die Luft war trocken und ich musste nicht die Scheiben frei kratzen.

Nach etwa zwanzig Minuten kam ich an. Ich öffnete die Tür. Eine junge Dame saß am Empfang und fragte mich: „Sie wünschen bitte?“ „Mein Name ist Maik Harmsen. Ich habe heute morgen ein Vorstellungsgespräch mit Frau Schaber.“ „Einen Augenblick bitte, ich sage ihr Bescheid.“ Die junge Frau nahm den Telefonhörer ab und wählte eine Nummer. „Frau Schaber, hier ist ein Maik Harmsen. Er soll sich hier vorstellen...Hm..., ja..., gut, ich sage es ihm!“ „Herr Harmsen, die Chefin erwartet Sie. Dort entlang. Die zweite Tür links.“ Ich lächelte sie an und aus meinem Mund erklang melodiös ein herzliches „Danke!“

Kaum hatte ich die Tür erreicht, wurde ich auch schon von Frau Schaber freundlich empfangen: „Guten Morgen, Herr Harmsen. Kommen Sie doch bitte herein.“ „Danke, Frau Schaber!“ erwiderte ich ebenso freundlich. „Setzten Sie sich bitte!“ Sie zeigte mit ihrer rechten Hand auf einem blauen Bürostuhl, der vor ihrem Schreibtisch schon darauf wartete, dass ich mich auf ihm nieder lies. Wieder kam aus meinem Mund ein freundliches und herzliches: „Danke!“ Sie blätterte schweigend einige Minuten in meiner mitgebrachten Bewerbungsmappe herum. Dann sagte sie zu mir: „Ihre Bewerbungsunterlagen sind ja noch sehr überschaubar.

Ich will Ihnen jetzt kurz erklären worum es bei dieser Tätigkeit geht. Zunächst einmal ist es eine reine Außendiensttätigkeit. Sie bekommen ein Fahrzeug von uns gestellt und fahren damit die Mittagsmenüs zu unseren Kunden. Das Essen wird hier bei uns in der Küche gekocht, in eine Aluminiumverpackung eingefüllt und mit einer Alufolie abgedeckt. Dann kommt diese noch einmal in eine Styroporverpackung, sodass das Essen auch über eine längere Zeit warm bleibt. Die Kunden, die Sie beliefern würden, sind in der Regel ältere Menschen. Meistens allein stehend. Der Mitarbeiter der diese Tour gefahren hat, hat zum ersten März gekündigt. Wir benötigen also jemanden der sofort anfangen kann. Falls Sie zusagen, würden wir Ihnen die Adressenliste mitgeben, damit Sie sich schon den Verlauf der Route einprägen können, da wir niemanden haben der Sie anlernen kann. Unsere Kunden sollen ja auch immer zur gleichen Zeit ihre Mahlzeiten bekommen. Für mich ist es wichtig, dass Sie freundlich und zuvorkommend sind. Es wird sich nämlich nicht immer vermeiden lassen, dass diese Menschen mit Ihnen mal ein kleines Schwätzchen halten wollen. Das müssen Sie dann natürlich freundlich abblocken. Die anderen Kunden warten nämlich auch auf ihr Essen.“

„Und was mache ich, wenn mich jemand privat einlädt?“ unterbrach ich ihren Redeschwall. „Das ist dann auch ihre Privatsache und kann, und will ich Ihnen auch nicht verbieten. Wichtig ist für mich nur, dass Sie absolut zuverlässig sind! Einen gültigen Führerschein haben Sie doch, oder?“ „Ja, natürlich, den habe ich!“, beantwortete ich ihre Frage wie aus der Pistole geschossen und mit stolz geschwollener Brust. Dann fragte ich sie: „Wie ist die Arbeitszeit?“ Sie kaute nervös auf ihrem Kugelschreiber herum und sagte nach einer kurzen Denkpause: „Die Arbeitszeit beträgt zirka vier Stunden am Tag. Sie haben eine fünf Tage Woche. Dabei müssen Sie pro Tag etwa dreißig Essen ausliefern. Das weicht aber immer mal ab, da es die Leute mal abbestellen, oder nur jeden zweiten Tag beliefert werden wollen.

Das Bruttogehalt beträgt acht Euro und Fünfundneunzig Cent pro Stunde.“ Das war mehr als ich eigentlich erwartet hatte. Sie sollte dies aber nicht merken, und so sagte ich ihr langsam und bedächtig: „Ja,gut... Das ist ja auch mehr als der gesetzliche Mindestlohn und hängte gleich noch eine Frage an: „Wie viele Menüs haben die Leute zur Auswahl?“ Sie hatte ihren Kugelschreiber wieder aus ihrem Mund genommen und auf ihren Schreibtisch gelegt, dann sagte sie mir: „Bei uns gibt es nur ein Tagesmenü. Am Ende eines Monats bekommen die Kunden eine Liste. Darauf sind die einzelnen Essen für jeden Tag des folgenden Monats verzeichnet. Die Kunden kreuzen an, an welchen Tagen sie Essen bekommen wollen. Es gibt Kunden, die machen sich am Wochenende ihr Essen selber. Oder gehen bei den Kindern zum essen. Jeder kann individuell entscheiden. Aus diesem Grund kaufen wir nur das ein, was wir auch tatsächlich brauchen. Das hält die Kosten gering. Das Essen wird nur wenig Gewürzt und enthält nur wenig Salz. Jeder kann so nach seinem Geschmack sein Essen nachwürzen.“ Ich nickte mit dem Kopf und gab ihr zu verstehen, dass ich das befürworte und sagte dann zu ihr: „Ja, das ist vernünftig, gerade für Menschen die unter hohem Blutdruck leiden.“ Oh, war ich insgeheim stolz auf mich, dass mein Gehirn so einen klugen Satz formuliert hatte.

Dann spitze sie ihre rot geschminkten Lippen und stellte mir die alles entscheidende Frage: „Nun, Herr Harmsen. Wäre das etwas für Sie?“ Nun fingen meine grauen Gehirnzellen richtig an zu arbeiten. Auf der einen Seite wollte ich den Job nicht, auf der anderen Seite brauchte ich das Geld. Wenn ich den Job ablehnte musste ich mit Sanktionen des Jobcenters rechnen, also überlegte ich noch einen Moment um die richtige Formulierung zu finden und sagte ihr dann: „Ja, ich glaube schon das mir das gefallen würde.“ Sie nahm meine Entscheidung freudestrahlend zur Kenntnis. Ich hatte so den Eindruck, dass sie richtig froh war einen dummen gefunden zu haben, der diesen Job machen wollte. Sie durfte das aber auch nicht so offensichtlich zeigen und druckste auch erst einmal so herum. Dann sagte sie mir: „Sehr gut. Ich habe heute Nachmittag noch einen Interessenten. Ich würde mich dann spätestens am Mittwoch bei Ihnen melden.“

Insgeheim hoffte ich aber, dass sie das nicht tun würde, oder mir sagte, das die Stelle leider von jemanden anderen besetzt worden sei. Also sagte ich erst einmal zu ihr: „Gut, Frau Schaber. Dann halten wir das mal so fest.“ Ich wollte gerade aufstehen, als sie mir noch eine Frage stellte: „Wie alt sind Sie übrigens? Zum Glück wusste ich das und konnte ihr Schlagfertig antworten: „Ich bin gerade neunundzwanzig geworden.“ Das reichte ihr scheinbar noch nicht und ich hörte sie noch sagen: „Eine Frage hätte ich noch: Warum haben Sie Ihre Ausbildung als Altenpfleger nicht beendet?“ Ich hatte insgeheim darauf gehofft, dass dieser Teil meines Lebens nicht zur Sprache kommen würde.

Jetzt musste ich aber dazu Rede und Antwort stehen und so sagte ich ihr auch die reine Wahrheit, auch wenn es für mich schmerzlich werden sollte: „Ich war im zweiten Ausbildungsjahr als meine Eltern tödlich verunglückten. Das hat mich aus der Bahn geworfen. Ich hatte jeglichen Halt und Sinn in meinem Leben verloren, nahm Drogen und habe Alkohol in großen Mengen konsumiert. Eigentlich wollte ich ja etwas im Gartenbau machen, bekam aber keine Ausbildungsstelle. Mein Vater hat in diesem Seniorenheim als Hausmeister gearbeitet und hat mir diese Ausbildungsstelle besorgt. Zu alledem kamen dann auch noch Depressionen und Suizidgedanken hinzu. Ich kam dann in eine Therapie. Seit dieser Zeit bin ich arbeitslos. Jetzt habe ich das aber alles überwunden ...“, als ich das sagte fing ich an zu weinen. Ich lies meinen Emotionen freien Lauf. Tränen flossen mir über meine Wangen. Ich kramte mit meinen Händen in beiden Hosentaschen herum um mir ein Taschentuch zu holen, damit ich meine Tränen abwischen konnte. Aber so sehr ich auch suchte, ich wurde nicht fündig. Gerade wollte ich meine Tränen an meinem Ärmel abtupfen, da reichte mir Frau Schaber ein Papiertaschentuch über ihren Schreibtisch herüber und sagte zu mir: „Ist schon gut, Herr Harmsen. Danke, dass Sie so offen darüber gesprochen haben. Sie hören dann wieder von uns.“ Ich wischte mir meine Tränen ab und stand auf. Sie war schon aufgestanden, reichte mir ihre Hand und wir verabschiedeten uns. Nun hatte ich erst recht darauf gehofft - auf Nimmerwiedersehen. Aber es sollte dann doch alles anders kommen.

Der Mittwoch kam heran und Frau Schaber rief tatsächlich persönlich bei mir an, um mir zu sagen, dass ich den Job bekommen habe, und das ich am Montag, um 9:30 Uhr, in der Firma erscheinen soll. Sollte ich nun lachen oder weinen. Dann sagte ich mir, dass alles seinen Sinn hat und wer weiß wozu es gut ist. Ich versprach ihr, dass ich noch kurz in der Firma vorbei komme, um mir die Kundenliste abzuholen und den Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Das tat ich dann auch. Die nächsten Tage verbrachte ich damit die Kundenliste zu studieren und die Route schon einmal mit meinem privaten Auto abzufahren. Außerdem meldete ich mich im Jobcenter ab. Das dies für immer sein würde, konnte ich zu dieser Zeit noch nicht ahnen und schon gar nicht glauben. Als ich meine Vorbereitungen abgeschlossen hatte, freute ich mich schon riesig auf den Montag. Ich fühlte in mir eine Genugtuung, doch das richtige getan zu haben. Jetzt konnte ich es kaum erwarten. Ich fragte mich ständig, was alles so auf mich zu kommen würde, welchen Menschen ich dabei begegne und kennenlernte. Die Zeit verging...

 

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