Einen Moment...
GaySexTotal

Irre Unmenschen

homo.net Info vom 18. Juni 2020
von Webmaster Jan

 

In den 1960er-Jahren rebellierten Schwarze, Frauen, Studenten und Schwule. Aber freiwillig verzichten die alten, weißen Herren der Schöpfung auf keins ihre Vorrechte. So musste regelmäßig das Oberste Gericht der USA fundamentale Bürgerrechte einfordern. Schon 1964 wurde Diskriminierung am Arbeitsplatz unter Strafe gestellt. Fatalerweise nur für Männer und Frauen. Dazu gehörten bis heute Schwule nicht.

Diesen Monat musste das Oberste US-Gericht gleich mehrfach Bürgerrechte besprechen. Was für Frauen seit 1964 selbstverständlich ist, ist es seit dieser Woche auch für gleichgeschlechtlich Liebende und Transsexuelle.

Zu den Klägern gehörte ein vorgeblich christliches Bestattungsunternehmen, das einen männlichen Angestellten entlassen hatte, der sich bei der Arbeit als Frau kleiden wollte. In einem anderen Fall ging es um einen Lehrer für Fallschirmspringen, dem gekündigt worden war, nachdem er sich als homosexuell zu erkennen gab. Die Anwälte der Arbeitgeber hatten dabei argumentiert, dass das Bürgerrecht von 1964 lediglich Frauen und Männer vor Diskriminierung am Arbeitsplatz schütze.

Schützenhilfe erhielten sie dafür von der Trump Regierung. In einem Appell an das Oberste Gericht hieß es: Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 beziehe sich nicht auf Diskriminierung aufgrund der geschlechtlichen Identität einer Person oder einer Trennung von geschlechtlicher Identität und dem biologischen Geschlecht.

US-Präsident Donald Trump (74) fiel es sichtlich schwer, seine Niederlage einzugestehen. Er erklärte direkt nach der Urteilsverkündung lapidar, die Regierung werde die Entscheidung akzeptieren. Billigen tut er sie nicht, so wenig wie die Herrscher der Katholischen Kirche.

Denn auch der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz, Erzbischof José Horacio Gómez Velasco (68) aus Mexiko meldet sich unmittelbar nach dem Urteil „zutiefst besorgt“ zu Wort über die nun vorgenommene rechtliche Definition des Sexualitätsbegriffs, die er für einen Irrweg der Ignoranz halte. Er sprach gar von einer Ungerechtigkeit, die Auswirkungen auf viele Lebensbereiche haben werde:

Wer die Unterschiede sowie die komplementäre Beziehung zwischen Mann und Frau beseitige, ignoriere die Herrlichkeit der Schöpfung Gottes und schade der menschlichen Familie, dem ersten Baustein der Gesellschaft, so Erzbischof Gómez: „Jeder Mensch ist nach dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen und muss ausnahmslos mit Würde, Mitgefühl und Respekt behandelt werden. Um unseren Nächsten vor ungerechter Diskriminierung zu schützen, muss die menschliche Natur nicht neu definiert werden.“

Irren ist menschlich. Wenn diese „Christen“ irren, irren sie unmenschlich.

In Europa gibt es über den höchsten Gerichten der Länder noch den Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte. Im Streit um einen schwulen Kuchen aus Nordirland hat der das allerletzte Wort noch nicht gesprochen, ob katholische Bäcker das Backen von warmen Kuchen verweigern dürfen oder nicht. Die Amerikaner sind da jetzt seit Anfang des Monats weiter, was aber wohl kein Fortschritt, sondern eher ein riesiger Rückschritt ist.

2012 bestellten David Mullins und Charlie Craig bei Meisterbäcker Jack Phillips ihre Hochzeitstorte. Der weigerte sich diese zu backen, da er Christ sei und die gleichgeschlechtliche Ehe nicht akzeptiere. Damit verstieß er offen gegen das Diskriminierungsverbot von Colorado. Die beiden frisch getrauten Ehemänner klagten, und das Gericht in Colorado verurteilte den Konditor: Solange er Hochzeitstorten backe, müsse er dies auch für Feiern gleichgeschlechtlicher Paare tun. Phillips solle mit seiner Belegschaft an Umerziehungskursen teilnehmen. Außerdem müsse er zwei Jahre lang Rechenschaft über jede Torte ablegen, die er sich zu produzieren weigere. Recht so.

Das Urteil führte dazu, dass das Geschäft mit den schicken Hochzeitstorten zusammenbrach, was ihn fast die Hälfte seines Umsatzes kostete. „Die vergangenen Jahre waren nicht leicht für meine Familie und mich“, beklagte sich Phillips. „Wir bekamen Todesdrohungen, wurden beschimpft und ich konnte nicht länger meine Hochzeitstorten produzieren. Wir standen am Rande des Ruins.“ Bis heute verstehe er nicht, warum ihn der Staat dazu zwingen wollte eine Entscheidung zwischen seinem Geschäft und seinem Glauben zu treffen. Phillips wollte sich nicht zwischen dem Unterhalt für seine Familie und seiner Beziehung zu Gott entscheiden. Das hätte nichts mit Freiheit und noch weniger mit Toleranz zu tun, so der Konditor.

Darin bestätigte ihn nun das höchste amerikanische Gericht. Mit überwältigender Mehrheit befanden die Richter, dass Jack Phillips Unrecht seitens des Bundesgerichts von Colorado widerfahren sei und sein Recht auf Meinungsfreiheit und künstlerischen Ausdruck nicht geschützt worden war. Dasselbe Gericht, das erst im Jahr 2015 die gleichgeschlechtliche Ehe in Amerika einführte, verteidigte nun das Anrecht auf Diskriminierung von Schulen, solange man nur kräftig genug glaubt, dass diese nicht gottgewollt sind.

Und das, obwohl auch schwule Männer nach dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen sind und damit Gott außerordentlich ähnlich sehen. Mindestens solange sie weiß sind.

Ratlos angewidert,
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

  Schicke Deine Meinung zu diesem Blog an  

Weitere Blogs