Einen Moment...
GAySexTotal.com

Lysis

- Sokrates erzählt -

von Platon

 

B. Hauptteil: 3. Überprüfung der Ansichten der Dichter und Philosophen

a) Nicht das Ähnliche ist dem Ähnlichen freund, sondern nur das Gute dem Guten

Ich also, teils weil ich den Menexenos ausruhen wollte, teils auch in der Freude über Jenes Nachdenklichkeit, wechselte um, und die Rede an den Lysis richtend sagte ich: O Lysis, du scheinst mir richtig zu sprechen, denn wenn wir unsere Untersuchung recht angelegt hätten, so würden wir schwerlich so in die Irre geraten sein. Hier also laß uns nicht weitergehen, denn sie ist offenbar gar ein schlimmer Weg diese Untersuchung; sondern wo wir abgelenkt haben, da, glaube ich, müssen wir weiter gehn, und nach den Dichtern untersuchen. Denn diese sind doch gleichsam unsere Väter und Führer in der Weisheit. Sie reden aber so, daß sie sich wahrlich nicht schlecht erklären über Freunde, wer sie sind, sondern der Gott selbst, sagen sie, führe sie einander zu, und mache sie zu Freunden. Es lautet aber dieses bei ihnen wo ich nicht irre so: Wie doch stets den Gleichen ein Gott gesellet zum Gleichen, und ihn bekannt macht. Oder sind dir diese Verse niemals vorgekommen?

Mir wohl, sagte er.

Auch wohl Schriften sehr weiser Männer sind dir vorgekommen, welche eben dasselbe sagen, daß das Ähnliche dem Ähnlichen notwendig immer freund sei. Und dies sind die, welche von der Natur und dem All reden und schreiben.

Richtig, sagte er.

Sprechen sie also wahr?

Vielleicht, sagte er.

Vielleicht, sprach ich, zur Hälfte, vielleicht aber auch ganz, und wir verstehen es nur nicht. Denn uns scheint der Böse dem Bösen, je näher er ihm kommt und je genauer er mit ihm umgeht, um desto mehr feind werden zu müssen. Denn er beleidigt; die Beleidigenden aber und Beleidigten können unmöglich Freunde sein. Nicht so?

Gewiß, sagte er.

Auf diese Art also wäre von dem Gesagten die Hälfte nicht wahr, wenn doch die Bösen einander auch ähnlich sind.

Du hast Recht.

Aber mich dünkt, sie wollen nur von den Guten sagen, daß sie einander ähnlich sind und freund; die Bösen aber, was ja auch von ihnen gesagt wird, wären niemals, nicht einmal sich selbst, ähnlich, sondern veränderlich und nicht zu berechnen. Was aber sich selbst unähnlich ist und mit sich selbst in Zwiespalt, damit hat es gute Wege, daß es jemals sollte einem andern ähnlich werden und freund. Oder meinst du nicht auch so?

Ich allerdings, sagte er.

Dieses also, o Freund, wollen jene, wie mich dünkt, andeuten, welche sagen das Ähnliche sei dem Ähnlichen freund, daß nämlich nur der Gute und nur dem Guten freund ist, der Böse aber niemals, weder mit dem Guten noch mit dem Bösen, zu einer wahren Freundschaft gelangt. Stimmst du mit ein?

Er bejahete es.

Das also hätten wir nun, welche Menschen Freunde sind; denn die Rede zeigt ganz deutlich an, es sind die welche gut sind.

So, sagte er, scheint es allerdings.

Auch mir, sprach ich; wiewohl eines verdrießt mich daran. Komm also, und um Zeus willen, laß uns betrachten, was ich zu sehen glaube. Der Ähnliche ist dem Ähnlichen, sofern er ähnlich ist, freund; und ist ein solcher einem solchen auch nützlich. Oder vielmehr so: jedes Ähnliche, welchen Nutzen kann es jedem Ähnlichen wohl bringen, oder welchen Schaden ihm zufügen, den es nicht auch sich selbst täte? Oder überhaupt, was ihm antun, was nicht auch jedes sich selbst antun könnte? Solche Dinge also, wie können sie Anhänglichkeit an einander haben, da sie einander gar keine Hülfe gewähren? Kann es irgendwie sein?

Es kann gar nicht sein.

Und ohne Abhänglichkeit, wie kann etwas freund sein?

Auf keine Weise.

Allein so ist zwar der Ähnliche dem Ähnlichen nicht freund, wohl aber könnte der Gute dem Guten, sofern er gut, nicht sofern er ähnlich ist, freund sein?

Vielleicht.

Wie aber? wird nicht der Gute, in wiefern er gut ist, in sofern auch sich selbst genügen?

Ja.

Der aber sich selbst genügt bedarf keines Andern, soweit dieses Genügen geht?

Wie sollte er?

Der aber keines bedarf, wird auch keinem anhängen?

Freilich nicht.

Der aber keinem anhängt, wird auch keinen lieben?

Nicht füglich.

Und der nicht liebt, ist doch wohl nicht freund?

Nein, offenbar.

Wie also können uns nur überall Gute mit Guten freund werden, welche weder in der Abwesenheit sich nach einander sehnen, denn sie genügen Jeder sich selbst auch einzeln, noch auch vereinigt irgend Nutzen von einander haben? Wie ist zu bewerkstelligen, daß solche einander sehr wert seien?

Auf keine Art, sagte er.

Freunde aber können sie doch nicht sein, wenn sie einander nicht sehr wert sind.

Das ist richtig.

 

Weitere Geschichten auf homo.net

Manor

Se­ni­o­ren­stolz