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Exportschlager Homo-Hass

homo.net Info vom 20. August 2020
von Webmaster Jan

 

Ein Hass-Bus fährt durch Deutschland. Seit 2016 machen es deutsche Katholiken und andere Konservative der französischen LGBT-feindlichen Bewegung „La Manif pour tous“ nach: „Demo für alle“. Die Bewegung tourt mit einem orangefarbenen Bus durch Deutschland. Angeführt wird sie von der Katholikin, Mutter und „Aktivistin für Familienschutz“, Hedwig von Beverfoerde (57).

Ihre Slogans sind so einfach wie falsch: „Stoppt übergriffigen Sex-Unterricht: Schützt unsere Kinder!“ Ehe = Piktogramm von Mann und Frau, Familie = Piktogramm von Kind Vater Mutter Kind.

Ihre wirren Thesen erkennt die allergrößte Mehrheit der Menschen unschwer als religiös doktrinär eingefärbten Unsinn. Die Befürworter haben an den Grundlagen unserer Demokratie genauso wenig Interesse, wie an der Gleichberechtigung aller Menschen, der Gleichstellung der Geschlechter oder den Naturgesetzen.

Sie versuchten Menschen davon zu überzeugen, dass Homosexualität ansteckend sei oder sogar heilbar wäre, Sexualaufklärung in Schulen höchst gefährlich sei und sie erklärten allen Ernstes, dass „die Sonne implodiert, wenn die Ehe auch gleichgeschlechtlichen Paaren offen stünde“.

Die Sonne ist davon nicht beeindruckt, der bayrische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (59, CSU) schon. Bei einem Besuch konnte die „Demo für alle“ durchsetzen, dass an bayrischen Schulen nicht „Akzeptanz“ sondern nur „Toleranz“ gegenüber LGBT gelehrt wird. Das wird den Herrgott erfreuen.

Vor den letzten LGBT-feindlichen Präsidentschaftswahlen in Polen haben ultrakatholische Hetzer diese Form der Propaganda auch auf Polens Straßen gebracht. Kein schicker Bus, sondern ein kastenförmiger Lastwagen, kein knalliges Orange, sondern grau in grau fordern sie „Stoppt Pädophilie“. Während Präsident Andrzej Duda (48) leider erfolgreichen homophoben Wahlkampf machte, fuhr der LKW wochenlang durch polnische Städte und warnte mit Lautsprecher-Durchsagen vor der „LGBT-Lobby“, die „kleinen Kindern Masturbation beibringen“ würde.

Viele Polen wehren sich gegen diese hasserfüllte Beschallung. Autofahrer behindern den Laster regelmäßig durch friedliche Autoblockaden. Dann greift die Polizei ein und sorgt für reibungslose Weiterfahrt. Dann beschwert sich der Anführer der Lasterbande, der polnische Politiker, Unternehmer und Aktivist Mariusz Andrzej Dzierżawski (64): „Ich habe den Eindruck, dass wir dafür schikaniert werden, die Wahrheit zu sagen. Aber wir verbreiten keinen Hass, sondern Informationen.“

Und das darf die Lasterbande in Polen ungestraft. Denn die Regierung hört auf die Hasser und legt dem Parlament den Entwurf eines „Homo-Propaganda-Gesetzes“ vor.

Als die Transfrau und LGBT-Aktivistin Małgorzata Szutowicz auf die Welt kam, wurde sie noch Michal genannt. Heute ist sie weltweit als Margot bekannt. 2019 gegründete sie das radikale, queere, feministische Kollektiv „Stoppt Unsinn“. Das Kollektiv hat sich zum Ziel gesetzt, Hassgruppen am verbreiten von Fehlinformationen über LGBT zu hindern.

Das macht sie dann auch vehement, gelegentlich etwas zu radikal. Denn am 27. Juni 2020 wurde die Kampagne „Stoppt Pädophilie“ vom Kollektiv „Stoppt Unsinn“ nachhaltig gestoppt. Es kam zu einer Rangelei mit dem Fahrer. Dem LKW wurde ein Reifen zerstochen, der Seitenspiegel ging zu Bruch und das Nummernschild wurde abmontiert. Parolen wurden abgerissen und der Fahrer geschupst. Nicht wirklich heftig geschupst, aber doch heftig genug, um 48 Personen zu verhaften, ziemlich unsanft, ja man könnte und sollte es brutal nennen, darunter auch etliche völlig unbeteiligte Passanten. Sie wurden bald wieder laufen gelassen.

Im Juli wurde Margot zusammen mit drei anderen Aktivisten erneut aufgegriffen, wegen Beleidigung weltlicher Gefühle. Sie hatten anlässlich des Pride Monats etliche Warschauer Denkmäler mit Regenbogenfahnen verziert. Dabei waren sie auch vor einer Statue von Jesus Christus nicht zurückgeschreckt. Schrecklich.

Als Rädelsführerin wurde Margot am 7. August erneut in ihrer Wohnung recht unsanft verhaftet und für zwei Monate in Untersuchungshaft gesteckt, als einzige Frau unter lauter Männern. Ein Ermittlungsverfahren wegen Vandalismus ist eingeleitet. Seit ihrer Inhaftierung gibt es regelmäßig Demonstranten in Warschau. „Gebt uns Margot wieder“, fordern die Demonstranten und skandieren „Wir stehen hinter Margot“. Unter #PolishStonewall werden die Proteste in den sozialen Medien dokumentiert.

Anfang dieser Woche hat die polnische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk einen offenen Brief an Polens Regierung veröffentlicht, gegen Homo-Hass und Homo-Hetze. 75 Autoren, Schauspieler und Regisseure aus aller Welt haben mit unterschrieben. Zu ihnen gehören der spanische Regisseur Pedro Almodóvar (70), Regisseur Volker Schlöndorff (81) und die amerikanische Philosophin Judith Butler (64).

„Wir, die Unterzeichneten, sind empört über das Vorgehen gegen die LGBT-Gemeinschaft in Polen. Wir möchten unsere Solidarität mit den Aktivisten und ihren Verbündeten zum Ausdruck bringen, die inhaftiert, brutalisiert und eingeschüchtert wurden. Wir möchten unsere Sorge um die Zukunft der Demokratie in Polen zum Ausdruck bringen, einem Land, dessen Geschichte von seinem bewundernswerten Widerstand gegen den Totalitarismus und seinem Kampf für die Freiheit geprägt ist.“

Sie fordern von der polnischen Regierung, ihr Vorgehen gegen sexuelle Minderheiten unverzüglich zu beenden, nicht länger Gruppen zu unterstützen, die Homophobie verbreiteten und die Verantwortlichen für die „unrechtmäßige und gewaltsame“ Festnahme von Margot am 7. August zur Rechenschaft zu ziehen. Die homophobe Regierung hat sich bislang dazu noch nicht geäußert.

Festnahmen von Aktivisten, Gewalt gegen queere Menschen und die menschenverachtende Einrichtung von „LGBT-freien Zonen“ sind mittlerweile Alltag in unserem Nachbarland. Die ersten Schwulen und Lesben verlassen bereits aus politischen Gründen ihre polnische Heimat. Und da fragt mich ein homo.net Leser nach meinem letzten Artikel über Polens homophoben Wahlkampf doch tatsächlich: „Was geht euch Polen an? Jedes Land ist souverän.“

Da ist man nur noch sprachlos,
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

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