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Schwule sind kein Doppelpunkt

homo.net Info vom 20. Januar 2022
von Webmaster Jan

 

Der Komiker Jürgen van der Lippe (73) ist ein wahrer Meister der deutschen Sprache in allen ihren Facetten. Er kann nicht nur in ziemlich allen hiesigen Dialekten parlieren. Auch jedwede politisch unkorrekte Formulierung, jede Zote kommt ihm galant über die Lippen, ohne rot zu werden. Tollkühne Wortspiele, Liebes-, Wut- und Hassgesänge und jedweder Blödsinn wird von ihm so ernsthaft vorgetragen, dass problemlos auch das allzu Ernste leicht und heiter klingen mag.

Wenn so einer sich in der Bildzeitung zur Deutschen Sprache äußert, sollten alle genau hinsehen. Was ihn denn an Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich störe: „Wenn ich selbst queer wäre, also schwul, lesbisch, bi-, trans- oder intersexuell, wäre ich beleidigt, dass ich nur von so einem kleinen Zeichen repräsentiert werden soll.“

Queer ist der vielfach verheiratete - mindestens auf der Bühne - libertine Entertainer sicherlich nicht. Aber er spricht uns aus der Seele. Auch mir wird schlecht beim Anblick Händchen haltender schwuler Ampelmännchen, Zebrastreifen in Regenbogenfarben und universalgeschlechtlichen Aufzugsschildern, die neben Mann und Frau auch noch eine weitere Frau mit Sternchen darstellen. Eine Star-Repräsentantin für alles Schwule, Transsexuelle, Diverse? Nein, danke.

Wenn schon, denn schon fordert Jürgen van der Lippe auch Emojis für alle Minderheiten, für Linkshänder, Ausländer, Behinderte… „Warum bleiben wir nicht einfach beim generischen Maskulinum, da kann sich jeder zu Hause fühlen.“

Was kommt bei der Benutzung sinnfreier Partizipien raus? Schon Goethe wusste: „Die Studierenden sitzen im Hörsaal, die Studenten in Auerbachs Keller.“ Vom Linguisten Peter Eisenberg (81) stammt das wunderschöne Beispiel: „Die Blasenden und Streichenden der Berliner Philharmoniker genießen Weltruf.“ Da bleibt uns nur noch zu ergänzen: Wichsende sitzen auf dem Klo. Wichser sitzen überall herum, vermehrt auch in deutschen Amtsstuben.

Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte Jürgen van der Lippe 1976 als Gründungsmitglied der Gebrüder Blattschuss. Zukunftsweisend schrieb sich die Band damals schon mit Doppel-s. Denn, so van der Lippe: „Sprache ändert sich von unten. Ausnahme: das Beamtendeutsch.

Wer sich so etwas wie ,Personenvereinzelungsanlage‘ ausdenkt, ist vielleicht auch vom Gendern begeistert. Wissen Sie, was das ist? Nein? Ein Drehkreuz. Mir gefällt besonders der ,Biosensor‘. Das ist ein Drogenspürhund.“

„Dümmer Als Du Denkst“ hieß 1977 das erste Album der Gebrüder Blattschuss. Viel hat sich in den 45 Jahren seither nicht getan. Unsere Neuparlamentarier beschäftigen sich neben dem Regieren derzeit mit Parlamentspoetensuche. Obwohl, hier sollten wir uns dann doch ausnahmsweise um das korrekte Geschlechtswort bemühen und von Parlamentarierinnen auf Poetinnensuche schreiben.

Die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (56) gilt innerhalb ihrer Partei als wertkonservative Reala (sic). Sie ist begeistert von der Anregung dreier Autorinnen, die wohl dringend auf Jobsuche sind. Sie argumentiert: Mithilfe der Poesie könne man einen „diskursiven Raum zwischen Parlament und lebendiger Sprache öffnen“. Unverständlicher hätte kein deutscher Satiriker diese bundestagspräsidiale Schnapsidee zusammenfassen können.

Die Zeit der Hofnarren ist lange vorbei. Unsere Politiker wollen dieses Amt vermehrt mit übernehmen. Auch in Baden-Württemberg wird unsere Sprache amtlich und teuer vergewaltigt. Nein, ich bin kein Fän of the Länd, kein Ländfluencer; bin auch nicht gäy, möchte es weder sein noch werden, brate mir weiter Zigeunerschnitzel und Jäger, küsse Neger und fresse Amerikaner, Berliner, Wiener und Hamburger so viel ich will. Es ist unsere Sprache. Damit machen wir, was wir wollen.

Auch die angeblich antirassistische Spracherziehung durch die ZDFKultur Redaktion kann mich nicht davon abhalten, jahrzehntealte Kinderlieder zu grölen. Wenn „Die Affen jagen durch den Wald“, denke ich an raffinierte, heimlich naschende Babys. Nur Leute mit schlechtem Charakter erkennen darin das „kolonialistische Klischee vom kriminellen und triebgesteuerten Affen.“

Wenn „Drau Chaunausaun maut daum Kauntraubauss“ auf der Straße sautzaun, singe ich meinst schon alleine, denn alle anderen sind längst ausgeschieden. Für mich ist das witzige Musik aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und keinesfalls Förderung von „Rassismus im Kinderzimmer“.

Wenn „Meine Oma“ - Gott hab sie selig - „fährt im Hühnerstall Motorrad“ und dabei tausend Liter Super jeden Monat verheizt, ist sie wahrlich „ne alte Umweltsau“. Rücksichtsloses und schlechtes Verhalten meiner Oma ist hier wahrlich nicht das Thema.

Es war einmal ein Bundeskanzler und der hieß Kohl. Gerne wurde der von uns auch Birne genannt. Der hat Privatfernsehen nur deshalb zugelassen, um ein Gegengewicht gegen die linken Tendenzen bei den Öffentlich Rechtlichen zu schaffen. Posthum würde er sich gewaltig freuen. Denn bald werden sich die Linken, Grünen und Öffentlich Rechtlichen selber geschaffen haben.

Jürgen von der Lippe meint, die Gesellschaft lasse sich da von einigen Wenigen treiben. „Es entsteht der Eindruck, dass es eine breite Bewegung wäre. Aber das Gegenteil ist der Fall. Je nach Umfrage wollen bis zu 91 Prozent der Deutschen nicht gendern.“

Bei ihm gibt es keine Zweifel. Als bekennender Agnostiker ist ihm nichts heilig, außer die Mittel. Denn die werden bekanntlich vom Zweck geheiligt. Ha, ha, halleluja.

Geschlechtlich statt gendernd
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

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