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Von der Freiheit zum Irrtum

homo.net Info vom 11. März 2021
von Webmaster Jan

 

Der Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera (66) hatte 2017 öffentlich homosexuelle Beziehungen mit Kindesmissbrauch in Zusammenhang gebracht. Dafür wurde er im August letzten Jahres vom Amtsgericht Kassel wegen Beleidigung von Homosexuellen zu einer Geldstrafe von 6.000, - Euro verurteilt. Jetzt hat das Landgericht Kassel das Urteil aufgehoben.

Die Aussagen des Kasseler Professor lösten besonders unter Studenten der Universität Kassel Proteste aus. Sie forderten noch vor Prozessbeginn, Kutschera bei einer Verurteilung von seinem Lehrauftrag freizustellen. Nicht nur Kutschera ging nach der Verurteilung in Berufung. Auch die Staatsanwaltschaft rief die zweite Instanz an, weil sie erreichen wollte, dass der Professor zusätzlich wegen Volksverhetzung verurteilt würde. Der Schuss ging nach hinten los, denn nach Auffassung der Richter am Landgericht seien die Äußerungen des Professors von der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit gedeckt gewesen.

Für Laien lässt sich kaum nachvollziehen, inwiefern seine Ausführungen zu Homosexualität und nicht-biologischer Elternschaft wissenschaftlich seriös sind. Kompetenz in Sachen Evolution und Genetik wird man Prof. Ulrich Kutschera, der sich auch international einen Namen als Forscher gemacht hat, nicht absprechen können. Statt sich aber mit sachlichen Beiträgen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen, disqualifiziert er sich mit der Art und Weise seiner Äußerungen selbst.

Seine undifferenzierten und abfälligen, ja geradezu menschenverachtenden Formulierungen verletzen nicht nur die Regeln der Wissenschaft, es fehlt ihm auch der Respekt vor anderen Menschen. Mit solchen Provokationen verschafft sich der Wissenschaftler zwar maximale Aufmerksamkeit, sie schaden aber zugleich seinem Ruf und dem der Uni Kassel.

Man kann darüber streiten, wie weit Mann und Frau, Homo und Hetero gleich sind. Biologisch sind sie es offensichtlich nicht. Dass sie grundsätzlich die gleichen Rechte haben, steht im 21. Jahrhundert nicht mehr zur Debatte.

Trotzdem haben die Richter des Landgerichts mit Ihrem Freispruch recht, so schwer es uns fällt, das zuzugeben, wenn Homosexuelle so massiv öffentlich beleidigt werden. Mit Empörung kommen wir da nicht weiter. Wenn an deutschen Universitäten unliebsame Meinungen durch Studenten und Kollegen verhindert werden, behindert das maximal den wissenschaftlichen Diskurs, der zu jeder These auch die Antithese braucht. Studenten sind gut beraten, wenn sie sich erst intensiv mit den wissenschaftlichen Argumenten ihrer Professoren auseinandersetzten, bevor sie empört nach einem externen Gericht schreien.

Kutschera sprach sich 2017 in einem Interview mit dem katholischen Online-Magazin kath.net massiv gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus. Die aus diesem Interview immer wieder publizierten, stark verkürzten Äußerungen stehen im Zusammenhang einer wissenschaftlichen Kritik am Werk und Wirken des neuseeländischen Sexualwissenschaftlers John Money (1921 - 2006), dessen Forschungen aus heutiger Sicht teilweise unethisch waren und inzwischen weitgehend widerlegt sind.

Kutschera: „Im Moneyistischen Gleichstellungswahn nehmen zum Beispiel Homo-Männer-Duos die gleiche biologische Stellung ein wie ein fertiles Mann-Frau-Paar und das in einer menschlichen Bevölkerung, das heißt Population. Diese ist aber definiert als Fortpflanzungsgemeinschaft, eine grün-rot-schwarze Absurdität! Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen. Der kinderlose Gender-Vater John Money hat diese Verhaltensweisen im Rahmen seiner absurden Geschlechter-Ideologie bereits vorgelebt.“

Kutschera betrachtet ausschließlich das biologische Familienkonstrukt Vater, Mutter, Kind. Damit diskriminiert er drei Millionen Kinder, die in Deutschland bei einem oder wechselnden Elternteilen aufwachsen. Studien belegen, dass Kinder, die bei homosexuellen Paaren aufwachsen, keinesfalls Nachteile haben.

Dass der Kasseler Professor provokant formuliert, ist nicht neu. Immer wieder hat er sich in den vergangenen Jahren mit Kreationisten und Geschlechterforschern öffentliche Scharmützel geliefert. So sagt er: „Pseudowissenschaftler wie Wünschelrutengänger, Homöopathen, Genderisten, Kreationisten benutzen einen gemeinsamen Trick, und der sieht so aus: Man prägt Kunstworte wie etwa ‚Gender Mainstreaming‘, die bei Laien den Eindruck erwecken, man würde Wissenschaft betreiben“

Den gleichen Trick benutzt er allerdings auch selber gerne: Bei heteronormalen Elternpaaren mit Kindern gebe es ein genetisch verankertes Inzucht-Verbot. Fehlt das genetische Band zum Beispiel bei homosexuellen Männerpaaren mit adoptiertem Sohn, so könne hier in verstärkter Form der Stiefvater-Effekt eintreten.

Hier erfindet er den „Stiefvater-Effekt“, unter dem sich jeder Leser gleich etwas Böses vorstellen kann, um seine kruden Theorien über die Gefahren in Regenbogenfamilien zu begründen. Das genaue Gegenteil ist richtig:

Eine vom Bundesjustizministerium in Auftrag gegebene Studie widerspricht Kutscheras Thesen vollständig. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich Kinder in Regenbogenfamilien häufig sogar besser entwickeln, da die erschwerten sozialen Rahmenbedingungen bei ihnen ein erhöhtes Bewusstsein für Konflikte und deren Lösung schafft. Dazu kommt die erhöhte Fürsorglichkeit der gleichgeschlechtlichen Eltern, ihren Kindern Nachteile zu ersparen. Größere Bandbreite und Offenheit gegenüber anderen Lebensformen vermittelt ihnen mehr Toleranz.

http://homo.net/news/kinder_in_regenbogenfamilien.pdf

Seine überspitzte, missverständliche und provozierende Wortwahl begründete Kutschera: „Sonst werden meine Argumente von den Gender-Gläubigen ignoriert!“ Im Sommer 2020 übte er dennoch Selbstkritik, ohne jedoch seine Thesen zu revidieren: „Es ging mir im Interview ausschließlich um das Kindeswohl und meine bekannte Aussage, dass Kinder ein natürliches Recht auf Vater und Mutter haben, stand im Vordergrund. … Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei all jenen Menschen entschuldigen, die meine offensichtlich zu drastischen Formulierungen persönlich genommen und falsch verstanden haben. In Zukunft werde ich mich diplomatischer ausdrücken.“

Wollen wir es hoffen
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

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