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Auch wir sind schon da

homo.net Info vom 11. Februar 2021
von Webmaster Jan

 

Sexuelle und geschlechtliche Identitäten sind genauso vielfältig wie das Leben. 185 Schauspieler outen sich diese Woche im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Mit einem gemeinsamen Manifest fordern sie mehr Anerkennung in Theater, Film und Fernsehen. Sie treten eine Debatte los über die Sichtbarkeit von LGBT in unserer Gesellschaft. Dafür bekommen sie bemerkenswert viel Aufmerksamkeit. Das gemeinsame Coming-out schlägt hohe Wellen, auch international. Selbst viele amerikanische und chinesische Medien berichten über das Ereignis.

Homosexualität stand lange unter Strafe. Der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches machte gleichgeschlechtliche Beziehungen illegal und wurde erst 1994 vollständig abgeschafft. Von einer vollkommenen Gleichstellung in der Gesellschaft sind wir bis heute weit entfernt, auch in Deutschland.

In Theater, Film und Fernsehen ist es besonders wichtig, gesellschaftliche Veränderungen frühzeitig darzustellen. Um so erstaunlicher lesen sich die Interviews mit den Stars und Sternchen des Gewerbes, wenn sie über Rollenklischees und die immer wiederkehrende Warnung vor dem Coming-out berichten.

Vielen von ihnen wurde geraten, die eigene sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität geheim zu halten, um ihre Karrieren nicht zu gefährden. Angst hatten sie weniger vor dem Publikum, mehr vor ihren Agenten, vor Rollenvermittlern, Kollegen, Produzenten, Redakteuren, Regisseuren und vielen anderen mehr.

Wenn man es endlich auf den roten Teppich geschafft hat, möchte man den Augenblick mit dem einen Menschen teilen, den man innigst liebt. Für Heteros ist das selbstverständlich, für viele Schwule noch lange nicht.

Als Hüter der deutschen Sprache outen sich die Actout Aktivisten allerdings nicht. Gleich 14 Gendersternchen gebrauchen sie, um die frohe Botschaft ihrer Vielfalt im Actout Manifest zu formulieren. Das verleitet die Redakteure der Süddeutschen in ihrem Artikel mit Interviews aus der Gruppe mit sage und schreibe 34 Gendersternchen der Deutschen Sprache zu vergewaltigen. Dieser Text ist für normal denkende Menschen nicht mehr lesbar ist.

Im Manifest heißt es: „Wir sind Schauspieler*innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es - das ist unser Beruf. Wir spielen Ehefrauen und Familienväter, Liebende und Staatsleute, Sympathieträger*innen und Ekel. ... Dabei können wir Mörder*innen spielen, ohne gemordet zu haben. Wir können Leben retten, ohne Medizin zu studieren. Wir können Menschen mit anderen sexuellen Identitäten spielen als die, die wir leben. Und wir tun es längst, die ganze Zeit schon, weil es unser Beruf ist.“

Gemordet mögen sie nicht haben. Die deutsche Sprache haben sie allemal umgebracht. „Staatsleute“ kennt nicht einmal der Duden, und wer sich gegen die Klassifizierung in Schubladen wehrt, sollte Väter nicht zu Familienvätern machen. Familienmütter gibt es doch auch nicht. Spätestens wenn Rollenvermittler zu Caster*innen werden, haben unsere lieben Schauspieler ihr Publikum endgültig abgehängt. Ja, liebe Schauspieler, das Wort schließt auch alle weiblichen Kollegen mit ein.

Nein, die Welt ist nicht gerecht zu allen. Jeder Schauspieler kann sich in einen Rollstuhl setzen und einen Gelähmten spielen. Dem Behinderten stehen die Bretter, die die Welt bedeuten, eingeschränkt zur Verfügung, wenn er darauf nicht stehen kann. Wenn mehr Männer als Frauen Schauspieler werden, liegt das nicht daran, dass wir euch alle Schauspieler nennen, sondern daran, dass es in allen darstellenden Künsten viel mehr Männerrollen gibt, also tatsächlich mehr Männer gebraucht werden.

Schauspielschüler sind trotzdem zu über 50 % weiblich. All diese angehenden Schauspielerinnen wurden weder durch die Bezeichnung als Studenten noch durch die viel schlechteren Berufsaussichten von ihrem riskanten Studium abgehalten. Wenn sie jetzt neben ihrem Recht auf freie öffentliche Darstellung ihrer Sexualität auch fordern, mehr Männerrollen mit Frauen zu besetzen, schießen sie nicht einmal mehr völlig daneben. Da wird eine großartige Aktion von 185 Schauspielern zur Farce, selbst wenn es mal eine Frau gab, die einen tollen Hamlet spielte. Die Jungfrau von Orléans hat es als Ritter auch ziemlich weit gebracht, ohne dafür Ritterin genannt werden zu wollen.

Unterschreibe auch Du:

http://homo.net/news/rette-die-deutsche-sprache-vor-dem-duden

Trotz aller berechtigten Kritik, die Aktivisten von Actout sind auf einem großartigen, richtigen Weg. Man kann nur hoffen, dass weitere Aktionen folgen werden. Sehr wenige vorbildliche Wirtschaftsbetriebe sind auch schon da. Die Bundesliga fängt gerade zögerlich an. Wissenschaftler, Politiker und Behörden zeigen kaum Ansätze. Bei Lehrern und Erziehern wäre es besonders wünschenswert, dass sie Vielfalt offen vorleben. Die Kirchen sind noch Lichtjahre entfernt davon, selbst grundlegendste Menschenrechte auf selbstbestimmtes Leben zuzugestehen.

Nur bei den Modeschöpfern würde ich einem heterosexuellen Vertreter der Zunft raten, sich das vorher genau zu überlegen, ob er das Publikum mit seiner gegengeschlechtlichen Sexeskapaden schocken möchte. Was allemal zeigt, wie Arm unsere Gesellschaft ohne den kreativen Beitrag von LGBT wäre. Wir schreiben das Jahr 2021 und es wird Zeit. Denn noch immer sind viele von uns nicht da.

Actout für alle
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

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