Zerschmetterte Liebe
homo.net Info vom 3. April 2025
von Webmaster Jan
Richard Chamberlain (1934 - 2025) starb zwei Tage vor seinem 91. Geburtstag auf Hawaii an einem Schlaganfall. Sein Lebenspartner Martin Rabbett (81) blieb allein zurück im gemeinsamen Haus auf Hawaii.
Richard und Martin, ein schwules Traumpaar aus Hollywood, wie es sich kein Drehbuchautor je ausgedacht hat. Die Liebes- und Leidensgeschichte der beiden schrieb das wahre Leben. Erst das Strafgesetzbuch, dann die ungeschriebenen Gesetze Hollywoods und schließlich das Selbstbild einer gequälten Seele verhinderten jahrzehntelang ihr gemeinsames Coming-out und trieb sie in ein elendiges Doppelleben.
In 192 Folgen der Fernsehserie Dr. Kildare wurde Richard Chamberlain 1961 quasi über Nacht zum Weltstar, zum Idol der Mädchen und Frauen. So wie James Kildare immer wieder die Lieben für seinen Beruf und seine Patienten opferte, so opferte Richard die Liebe seines Lebens für seine weiblichen Fans und seine Filmverträge.
In der 2003 erschienenen Biographie „Shattered Love“ beschreibt Chamberlain das ganze Ausmaß des Elends: „Unser Selbstbild ist eine Mischung aus dem, der wir sein wollen, dem, von dem wir denken, dass wir so sein sollten und der Vermeidung von dem, vor dem wir Angst haben zu sein.“
Als Richard 1975 in New York eine neue Rolle übernahm, begegneten sich die beiden flüchtig,: „Bei der ersten gemeinsamen Leseprobe lernte ich einen talentierten jungen Mann namens Martin kennen, der zum Produktionsteam gehörte“, erinnert sich Richard. Es war Liebe auf den ersten Blick. Erst Ende 1976, als das Stück am Broadway Premiere hatte, sahen sie sich wieder und wurden Freunde.
„Daraus wurde bald Liebe. Im seligen Taumel unserer ersten gemeinsamen Monate ahnten wir nicht, welch kompliziertes und manchmal mühsames Schicksal wir füreinander schufen“. Als das erste Feuer der Verliebtheit zu erlöschen begann, wurde das Doppelleben zum Problem. In seinen Memoiren erinnert er sich lieber so: „Martin sah mich mit einer Liebe an, die Jahrhunderte zu umfassen schien. Er strahlte eine Art von Liebe aus, die keine Grenzen kannte“.
Im Dezember 1989 geschah das Unvermeidliche: Durch einen Artikel in der romantischen französischen Frauenzeitschrift Nous Deux (Du und Ich) wurde Richards Homosexualität bekannt. Die Medien verbreiteten die Skandalmeldung in Windeseile rund um den Globus. Zwei Jahre später sprach er in einem Interview erstmals über seine wahre große Liebe: „Ich habe das Versteckspiel satt!“ Und wieder verbreiteten die Medien weltweit Schlagzeilen.
Mit seiner Rolle in der Miniserie „Die Dornenvögel“ wurde er 1996 endgültig zum ungekrönten König der Fernsehserien. In nur vier Folgen spielte er sich zurück in die Herzen seiner weiblichen Fans. Als unkeuscher Pfarrer verliebt er sich in eine Frau und muss diese Liebe bis zum tragischen Ende vor aller Welt geheim halten. Als er am Ende der vierten Folge erfährt, dass der Sohn seiner Geliebten von ihm ist, erleidet er einen Herzinfarkt und stirbt.
Ganz so dramatisch verlief das Zusammenleben der beiden dann doch nicht. In seiner Biographie beschreibt Richard Chamberlain ausführlich das versteckte Leben mit seiner Geliebten und die Gründe für das jahrelange Doppelleben. Er beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn man glaubt, seine sexuelle Identität verbergen zu müssen, um seine Karriere als Frauenschwarm zu schützen. Die Medien haben ihn dafür zum dritten Mal geoutet.
Aber hat es ihm geschadet? Sicher, einige weibliche Fans haben ein paar Tränen vergossen. Sicher, ein paar Spießer haben sich aufgeregt. Sicher, ein paar Filmrollen hat er deswegen nicht bekommen, aber dafür ein paar andere. Wie so oft war die Angst vor dem Coming-out schlimmer als das Ereignis selbst. Der Moment ist dramatisch, aber das Leben danach ist leichter, heiterer und entspannter.
Auch Richard Chamberlain war plötzlich sehr erleichtert: „Ich hatte keine Angst mehr. Alle waren freundlich und süß zu mir und niemand steinigte mich. Es war großartig.“
In seiner Biographie schrieb Richard auch: „Für Martins Liebe bin ich dankbarer als für alles andere in meinem Leben“. Und Martin fügte nach Richards Tod gerührt hinzu, dass diese ihre Liebe ewig sei.
Happy End
Jan
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