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Stolzmonat? Nein, danke!
homo.net Info vom 5. Juni 2025
von Webmaster Jan
„Gesellschaft ist, was wir daraus machen.“
Unter diesem Motto hätte am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT), in Gelsenkirchen zum fünften Mal eine CSD-Parade stattfinden sollen. Eine Stunde vor Beginn der Demonstration gab die Polizei eine unkonkrete Anschlagswarnung weiter. Die Warnung betraf einen CSD in Nordrhein-Westfalen, nannte aber nicht konkret, welchen.
Das junge und unerfahrene Team des queeren Jugendzentrums „Together“ war mit der Planung seines ersten CSDs schlicht überfordert und sagte die Parade kurzfristig ab. In mindestens acht anderen Städten in Nordrhein-Westfalen fanden hingegen IDAHOBIT-Veranstaltungen wie geplant statt.
Es ist unerträglich, dass kleine schwule Gruppen in diesem Lande bereits derartig eingeschüchtert werden, dass sie lieber den Schwanz einziehen, als 600 meist junge Leute einer abstrakten Bedrohung auszusetzen. Ihre Entscheidung war trotzdem berechtigt und verständlich, denn schon das Fazit vom letzten Jahr ist erschreckend:
Im Jahr 2024 fanden bundesweit insgesamt 209 offizielle CSDs statt. Im sächsischen Limbach fanden sich grade einmal acht Teilnehmer ein, in Köln waren es 1,4 Millionen. In 32 Orten (15,3 %) gab es angemeldete extrem rechte Demonstrationen, Kundgebungen oder Massenmobilisierungen. Bei mindestens 68 Pride-Veranstaltungen (32,5 %) kam es zu Störungen und Angriffen auf Teilnehmer sowie die Infrastruktur. Bei 17 Festen (8,1 %) kam es zu weiteren Bedrohungen oder Angriffen außerhalb der angemeldeten Veranstaltungen.
Insgesamt wurden letztes Jahr fast 40 % aller CSDs und Pride-Paraden von Neonazis und anderen rechten Gruppierungen queerfeindlich angegriffen.
Die Queerfeindlichkeit hat in den letzten Jahren auf allen Ebenen massiv zugenommen. So hat insbesondere die extreme Rechte in den letzten Jahren systematisch Unwahrheiten über vermeintliche Gefahren verbreitet, die eintreten würden, wenn geschlechtliche und sexuelle Vielfalt anerkannt würde – insbesondere für die Kinder.
In den neuen Bundesländern waren die Nazimobilisierungen besonders hoch. In Sachsen waren es zwei Drittel, in Sachsen-Anhalt zwei Fünftel, in Thüringen fünf Achtel und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Fünftel. Am schlimmsten war es in Brandenburg, wo neun von 14 CSDs gestört wurden (64 %), wobei nur eine der rechten Demos angemeldet war.
Der sogenannte Stolzmonat ist eine rechtsextreme Kampagne, die seit 2023 über unsoziale Medien gezielt versucht, den Hass auf LGBT-Menschen zu schüren. So forderte der hessische Landesverband der AfD im Juni 2023: „Den Regenbogen links liegen lassen. Der Juni ist Stolzmonat! Und die einzigen Farben, die in Deutschland für die Rechte aller Bürger stehen, sind Schwarz-Rot-Gold.“
Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD Thüringen, gehörte zu den Ersten, die ihre Profile in den unsozialen Medien mit der neuen Flagge des Stolzmonats schmückten: einem schwarz-rot-goldenen Farbverlauf mit sieben Abstufungen. Mit seiner Kampagne zum Stolzmonat möchte er dem Pride-Monat Juni nationalistische Botschaften entgegensetzen.
Maximilian Fritsche und David Streich (AfD Eberswalde) mobilisierten 2024 mit ihrer Kampagne des Stolzmonats gegen den CSD in Eberswalde (Brandenburg). Sie posteten auf telegram: „Wir lassen uns nicht von der Regierung vorschreiben, was wir zu tolerieren haben und was nicht! Wir sind die Stimme des Volkes.“
Der österreichische Maler Max Liebermann (1847 – 1935) brachte es im Januar 1933 auf den Punkt, als er auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten und den Fackelzug der SA vor dem Brandenburger Tor in Berlin angesprochen wurde: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“
Angefressen
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

