Der zahme Regenbogen
homo.net Info vom 14. Mai 2026
von Webmaster Jan
am 17. Mai ist mal wieder der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. In Deutschland bedeutet das: Rathäuser hissen die Regenbogenfahne. Bürgermeister lassen sich fotografieren. Pressestellen verschicken ein paar Sätze über Vielfalt, Respekt und Toleranz. Das ist erschreckend wenig.
Während queere Geflüchtete abgeschoben werden, die Zahl der Hassverbrechen steigt und in Bayern, Sachsen und Thüringen Politiker mit queerfeindlichen Parolen Wahlen gewinnen, antwortet Deutschland mit buntem Stoff am Mast. Eine Fahne verlangt nichts. Sie ändert nichts. Sie schützt niemanden. Wenn sie alles ist, was bleibt, ist sie kein Zeichen von Haltung, sondern ein Feigenblatt.
Am 17. Mai soll die Regenbogenfahne wieder auf dem Reichstag wehen. Genau das macht die Sache nicht besser, sondern präziser. Denn sie weht dort nicht als Zeichen einer offensiven queerpolitischen Agenda, sondern als sauber verwaltetes Minimum.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erlaubt den Regenbogen nicht wegen IDAHOBIT, sondern weil der 17. Mai 2002 „einen parlamentarischen Bezug hat“: An diesem Datum beschloss der Bundestag die Rehabilitierung homosexueller Opfer der NS-Justiz. Politisch heißt das: Der Regenbogen darf aufs Dach, solange er nicht nach Protest aussieht. Einmal im Jahr, ordentlich begründet, institutionell gezähmt.
Natürlich gibt es Ausnahmen. In einigen wenigen deutschen Städten sind Demos und Kundgebungen geplant. Doch ein Blick über die Grenze zeigt, wie dürftig das deutsche Gesamtbild ist. In Frankreich ist der IDAHOBIT stärker mit konkreter Hilfe, Berichtslage, Asyl- und Rechtshilfe verbunden.
In den Niederlanden rücken queere Menschen im Asyl- und Aufnahmesystem in den Fokus – also Menschen, für die Sichtbarkeit ohne Schutz schnell gefährlich werden kann. In Brüssel wird der Tag institutionell gedacht, als Teil von Antidiskriminierungs- und Diversity-Politik. In London wird über LGBT-Rechte im Zusammenhang mit Demokratie, Sicherheit und autoritärem Backlash gesprochen.
Wo wirklich protestiert wird: Wien, 17. Mai, 15 Uhr, Westbahnhof. „Konversionstherapien sind Gewalt“ – eine Demonstration mit einer klaren, gesetzlichen Forderung.
Lassen wir die Fahne im Keller, bis sie mehr ist als ein billiges Trostpflaster. Fahren wir nach Wien, Brüssel oder Frankreich. Oder bleiben wir zu Hause und überlegen uns, wie wir im nächsten Jahr den IDAHOBIT wieder als IDAHO feiern, wie er bis 2009 hieß. Alles weitere ist reine Symbolpolitik.
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Weniger ist oft mehr
Jan
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