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Da lacht der Sumerer

homo.net Info vom 17. Juli 2025
von Webmaster Jan

 

Wer hätte das gedacht – schon die Sumerer haben vor über 4.000 Jahren anzügliche Witze gerissen. Damals, zwischen 4000 und 2000 v. Chr., war Inanna (später Ishtar) eine der wichtigsten Göttinnen Mesopotamiens. Sie war die Göttin des Krieges, der Liebe und der Fruchtbarkeit.

Inanna war für ihre Verbindung mit Sexualität, Geschlechterrollen und Transformation bekannt. In der Mythologie verwandelte sie Männer in Frauen – und Frauen in Männer. Ihr dienten die Gala-Priester. Viele dieser Priester lebten jenseits der starren Geschlechternormen.

Gala-Priester waren biologisch meist männlich, trugen aber weibliche Kleidung und verwendeten weibliche Sprachformen, gelegentlich sogar einen eigenen feminisierten Dialekt. Sie übernahmen rituelle Rollen, die traditionell weiblich konnotiert waren, wie beispielsweise Klagegesänge, Tanz und Musik.

Einige Texte deuten darauf hin, dass sie sexuell mit Männern verkehrten, was im Kontext ihrer Funktion nicht ungewöhnlich war. Somit praktizierten sie eine kultisch anerkannte Form der Geschlechtsüberschreitung im rituellen Kontext. Damit sind sie einer der frühesten historischen Belege für institutionalisierte nicht-binäre und queere Geschlechtsrollen – und für offen gelebte Homosexualität.

Einige Gala nahmen sogar weibliche Namen an – und sie machten schmutzige Witze.

Woher wir das wissen? Im frühen zweiten Jahrtausend v. Chr. übte ein angehender Schreiber seine Keilschrift. Damalige Schulhefte waren sehr haltbar: Er meißelte seine Übung in Schönschrift in eine runde Steintafel. So ist uns das sumerische Sprichwort bis heute erhalten geblieben. Da ich selbst noch immer keine Keilschrift lesen kann, habe ich mich bei der Übersetzung auf die Arbeit von Edmund Isaac Gordon (1921–1976) aus dem Jahre 1959 verlassen.

„Als der Gala-Priester seinen Anus abwischte, sagte er:
‚Ich darf nicht das erregen, was meiner Herrin Inanna gehört!‘“

Der Spruch ist vermutlich ein schmutziger Witz über die Fähigkeiten eines Eunuchen, sich sexuell zu vergnügen. Gleichzeitig ist er ein Wortspiel, denn das Keilschriftzeichen für den Gala-Priester besteht aus den beiden Zeichen für „Männlich/Penis“ und „Po/Anus“.

Der Witz stammt aus den sumerischen Sprichwörtern. Er ist eine der ältesten schriftlichen Quellen über das Leben im Tempel und zeigt deutlich, dass es vor 4.000 Jahren kein Problem war, offen schwul in Tempeln zu leben. Obwohl bei uns Priester noch immer in Frauenkleidern herumlaufen, ist das heute anders. Ein Fortschritt ist das nicht. Die Sumerer würden darüber wohl lachen – uns sehr wahrscheinlich sogar auslachen dafür.

Recht hätten sie
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

 

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