Formalismus statt Flagge
homo.net Info vom 26. Juni 2025
von Webmaster Jan
Als Prinzessin Diana vor 28 Jahren verunglückte, weigerte sich die Queen, die königliche Standarte auf dem Buckingham-Palast auf halbmast zu setzen. Schließlich symbolisiert diese die Kontinuität der Monarchie.
Das Volk war angeblich anderer Meinung. Als die Boulevardpresse über öffentliche Empörung berichtete, fand die Queen einen modernen Kompromiss. Sie zog sich auf ihr Schloss in Balmoral zurück und die Standarte wurde eingeholt. Stattdessen wurde erstmals in ihrer Abwesenheit die britische Flagge, der Union Jack, auf dem früher unbeflaggten Buckingham-Palast gezeigt – am Tag der Beerdigung dann auch auf halbmast.
Und so ist es bis heute: Weht die Standarte, ist der König da. Weht der Union Jack, ist er weg. Nur der Union Jack wird auch auf halbmast gesetzt, – etwa beim Tod bedeutender Persönlichkeiten oder in Zeiten nationaler Trauer. Stirbt der Monarch selbst, bleibt die Standarte standhaft oben: Der König ist tot – es lebe der König!
Funfakt: Als die Queen starb, veröffentlichte Reuters ein Bild vom Palast mit dem auf halbmast gesetzten Union Jack. Das Bild stellte sich jedoch später als Fälschung heraus.
Beim Deutschen Bundestag soll es „demokratischer“ zugehen – angeblich. Wer regiert, bestimmt und macht, was er will. Unter Bärbel Bas (SPD) zeigte die Ampel beim CSD Flagge: Die Regenbogenfahne wehte über dem Reichstag und Regierungsangestellte durften offiziell an der Parade teilnehmen.
Die neue Hausherrin, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), entscheidet nun anders. Sie verbietet, die Regenbogenflagge beim kommenden CSD am 26. Juli auf dem Reichstag zu hissen. Auch das queere Netzwerk der Bundestagsverwaltung darf nicht teilnehmen.
In ihrer offiziellen Begründung heißt es: „Die Bundesflagge repräsentiert das, wofür unser Grundgesetz steht – eben auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und gegen Diskriminierung.“ Klingt gut. Dann können wir die Regenbogenflagge künftig ganz weglassen. Schwarz-Rot-Gold meint ja angeblich alles mit.
Das kommt uns bekannt vor. Rechte Gruppen sagen dasselbe: Der Regenbogen sei überflüssig – ihre Farben seien Schwarz-Rot-Gold. Sie feiern den Juni als „Stolzmonat“ – ganz ohne Vielfalt. Für sie stehen diese Farben für ein „reines Deutschland“ – ohne Schwule, ohne Fremde, ohne „widernatürliche Elemente“. Und sie marschieren auf – mit Hass und Gewalt.
Und was macht der Bundestag? Er bleibt „neutral“. Halbherzig. Willkürlich. Am 17. Mai wehte noch der Regenbogen über dem Reichstag, zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit. Da war das offenbar in Ordnung. Damals kamen ein paar Hundert Menschen. Beim CSD werden es eine halbe Million sein – und die dürfen ihren Regenbogen gefälligst selbst tragen.
Die Queen gab damals dem Willen des Volkes nach, zog aus und brach mit jahrhundertealten Traditionen. In einer Monarchie entscheidet genau eine Person. In einer Demokratie regieren viele – aber oft nach eigenem Gusto. Dieser ist deutlich sichtbar: Die Ampel zeigte Haltung. Die CDU zeigt jetzt: Desinteresse, wenn nicht gar Ablehnung.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Sichtbarkeit. Queere Menschen kämpfen heute um ihre Sicherheit. Die Zahl der Angriffe steigt. Gerade jetzt will sich der Bundestag wegducken – hinter einem neutralitätsverliebten Formalismus.
Frau Klöckner, wenn Sie behaupten, das Grundgesetz garantiere die sexuelle Selbstbestimmung – lesen Sie bitte noch einmal genau nach. Diese steht nämlich nicht im Grundgesetz. Und sie wird auch so bald nicht hineingeschrieben werden. Dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Die haben Schwule und Lesben in diesem Land schon lange nicht mehr.
Erschüttert
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

