Nie wieder Bertolt Brecht
homo.net Info vom 16. April 2026
von Webmaster Jan
Bertolt Brecht dichtete 1933:
Der Anstreicher Hitler
Sagte: Liebe Leute, laßt mich ran!
Und er nahm einen Kübel frische Tünche
Und strich das deutsche Haus neu an.
Das ganze deutsche Haus neu an
In Magdeburg hat die AfD ihr Regierungsprogramm für den Landtagswahlkampf am 6. September in Sachsen-Anhalt verabschiedet. Große Debatten und Änderungen gab es nicht – genau so, wie es die Führung wollte.
Mit nur einer Gegenstimme nahmen 220 Delegierte das 156 Seiten starke Programm mit 17 Kapiteln an. Der Landesverband steht fest hinter seinen Führerinnen und Führern.
Für die LGBT-Community bedeutet das, sie werden in diesem Wahlkampf gnadenlos zum Feindbild werden. An diversen Stellen im Text wird jede Form von Homosexualität stark negativ besetzt. „Sexuelle Abweichungen“ bekommen aus Sicht dieser Partei zu viel Akzeptanz. Diese angeblich „pervers-linke Agitation“ soll beendet werden, denn dieser pervers-linke, radikal feministische und individualistische Ungeist zersetze dabei nicht nur traditionelle Familien- und Rollenbilder, sondern leugne und kriminalisiere selbst biologische Tatsachen.
Damit die Altparteien ihre verquere Weltanschauung nicht mehr durchsetzen können, sollen Gleichstellungsbeauftragte abgeschafft werden und deren Stellen „sinnvollen“ Aufgaben zugutekommen. Was „sinnvoll“ ist, entscheidet die Partei.
In Sachsen-Anhalts „Dörfern soll (sic!) Religion, Brauchtum und (echte) Kultur gefördert werden – aber nur, wenn sie den Bürgern dienen, nicht der perversen Regenbogenagenda.“ Was „echt“ ist, entscheidet die Partei.
Was die AfD als „alternative Lebensentwürfe mit abseitigen sexuellen Vorlieben“ bezeichnet, nennen normale Menschen „Regenbogenfamilien“. Für die AfD sind das „familienpolitische Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte“.
Die Regenbogenfahnen an Schulen sollen verboten werden, außer als Aufkleber auf dem Schulranzen. Dafür soll es in der Bildung eine stabile Nationalidentität geben. Die Bundesflagge soll täglich gehisst werden und bei allen Feierlichkeiten im Umfeld der Schule soll gemeinsam die Nationalhymne gesungen werden.
Wer sich jetzt fragt, wieso ein Lied von Brecht den Anfang und das Ende dieses Newsletters bildet, soll erfahren:
Die Landeszentrale für politische Bildung soll abgeschafft werden, da sie „den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzt!“. Sie soll durch ein Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität ersetzt werden. Als ob dieses Unterrichtsmaterial von Bertolt Brecht keine perfekte politische Bildung wäre!
Der Anstreicher Hitler
Hatte bis auf Farbe nichts studiert
Und als man ihn nun eben ranließ
Da hat er alles angeschmiert.
Ganz Deutschland hat er angeschmiert
Nie wieder!
Jan
Webmaster
vom homo.net Team
