Die Krux mit Leo
homo.net Info vom 25. September 2025
von Webmaster Jan
Die Krux mit der Berühmtheit: Kommt sie über Nacht, ist man zunächst gelähmt. Als aus dem Amerikaner Robert Francis Prevost (70) am 8. Mai überraschend Papst Leo XIV. wurde, verstrichen noch 63 Tage, bis er endlich an sein Vermächtnis dachte. Am 10. Juli gewährte er seiner Biografin ein erstes Interview über Gott und die Welt. Beim zweiten Gespräch am 30. Juli wurde er konkreter, sprach über kirchlichen Missbrauch, die Finanzen des Vatikans und den Umgang mit Schwulen in der Kirche.
Nun hat die katholische Online-Zeitung Crux (lateinisch für „Kreuz“) aus Boston die Interviews veröffentlicht.
Sein Vorgänger hatte Missbrauch zum „Werk des Teufels“ erklärt. Leo hingegen betont vor allem die Unschuldsvermutung für beschuldigte Priester. Das mag juristisch korrekt sein, moralisch ist es jedoch schwach, menschlich ist es verwerflich. Die Kirche hat jahrzehntelang eher die Täter geschützt als die Opfer. Das wird auch so bleiben.
Wo die Finanzen des Vatikans in Unordnung sind, meint Leo, könne er alle Probleme durch Kommunikation lösen. Hinter den Mauern brodeln seit Jahren Gerüchte über die „schwule Mafia“ – ein inoffizielles Netzwerk aus Klerikern, das in moralische und finanzielle Verstrickungen verwickelt sein soll. Dass alle Finanzhaie des Vatikans wirklich alle schwul sind, ist eher unwahrscheinlich. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass hier das Wort „schwul“ stellvertretend für das absolute Böse steht und mit undurchsichtigen Finanzen rein gar nichts zu tun hat.
Zu LGBT gibt Leo frank und frei zu, dafür habe er im Moment keinen Plan. Aber es gab mal eine Zeit, in der er nicht Papst war. Von damals erinnere er sich: „Die westliche Welt ist fixiert, besessen von Sexualität“. Für manche Menschen bestehe ihre gesamte Identität aus sexueller Identität. Das sei für viele Menschen in anderen Teilen der Welt kein zentrales Thema.
Franziskus predigte: „Wer bin ich, dass ich urteilen sollte?“ Bei ihm waren „alle, alle, alle“ eingeladen. Leo hingegen redet um den heißen Brei herum. Er windet sich aus den Versprechen seines Vorgängers heraus, indem er sich in beliebigen Gemeinplätzen dreht und wendet.
Wer die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe fordere, könne sich an jeden Priester wenden, um zu beichten.
Der wohl unglaublichste Satz des Interviews: „Ich denke, wir müssen zuerst die Haltungen ändern, bevor wir überhaupt darüber nachdenken können, was die Kirche zu einem bestimmten Thema sagt.“ Das ist das genaue Gegenteil von dem, was man von einem alle liebenden Hirten erwarten würde.
Es bleibt alles beim Alten
Jan
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