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54 Tonnen schwule Kunst

homo.net Info vom 19. Juni 2025
von Webmaster Jan

 

Vor fast 40 Jahren wurde in San Francisco das NAMES-Project ins Leben gerufen – als Zeichen gegen das Vergessen und die Stigmatisierung von an AIDS erkrankten Menschen. 40 Jahre später gilt der AIDS-Memorial-Quilt noch immer als das größte Gemeinschaftskunstwerk der Welt. Er soll an das Leben all jener Menschen erinnern, die an den Folgen von AIDS verstorben sind.

Nach über 30 Jahren waren Teile des berühmten AIDS-Quilts erstmals wieder in der Tate Modern in London, einem der bekanntesten Museen für moderne Kunst, zu sehen. Durch das Medienecho der Ausstellung wurde der Quilt wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt, auch wenn die meisten das Spektakel nicht persönlich miterleben konnten.

Seit 1988 ist der AIDS-Memorial-Quilt im Guinnessbuch der Rekorde als das größte Gemeinschaftskunstwerk der Welt verzeichnet. Zu diesem Zeitpunkt wog er bereits mehr als drei Tonnen und hatte sich zu einem symbolträchtigen Zeichen der Schwulenbewegung entwickelt. Heute wiegt er schätzungsweise 54 Tonnen, würde 20 Fußballfelder füllen und besteht aus ca. 50.000 Stofftafeln mit fast 110.000 eingestickten Namen.

Fast alle diese Stofftafeln sind inzwischen auch online zu sehen. Allerdings gestaltet sich die Suche nach einem bestimmten Namen durchaus abenteuerlich. Die Quellenangaben zu diesem Newsletter zeigen anhand einiger Beispiele die vielen Möglichkeiten, individuelle Stofftafeln zu finden und zu sehen:

Selbstverständlich ziert die verschnörkelte Stofftafel für Liberace (1919 - 1987) ein weißer Konzertflügel. Auch der Kerzenleuchter darf nicht fehlen, schließlich lebte „Mr. Showmanship“ nach dem Motto: „Zu viel des Guten ist wundervoll“.

Wie viel Heiterkeit und Freude haben die Bilder von Keith Haring (1958 - 1990) verbreitet! Wer kennt sie nicht, die dynamischen Figuren in leuchtenden Farben und klaren Linien? Trotz seines kurzen Lebens ist sein gigantisches Œuvre über die ganze Welt verteilt. Über 15 Stofftafeln sowie ein ganzer Block aus acht weiteren Stofftafeln zeugen von seinem Leben und Werk.

Ein Mord machte Anthony Perkins (1932 - 1992) weltberühmt. Mit seiner Rolle in Alfred Hitchcocks Klassiker „Psycho“ (1960) schrieb er Filmgeschichte. So gemordet hat vor und nach ihm niemand mehr. Viele schwören, „Psycho“ sei ein Farbfilm, so „rot“ gurgelt das Blut durch den Abfluss. Dabei handelte es sich bei dem Requisit tatsächlich um Schokoladensoße. Entsprechend zeigt sein Quilt einen Duschvorhang, der von einem Messer zerfetzt wird.

Auch die Bilder des Fotografen Robert Mapplethorpe (1946 - 1989) waren überwiegend in Schwarz-weiß. Seine Porträts von Andy Warhol, Richard Gere, Truman Capote, Yoko Ono, David Hockney, Arnold Schwarzenegger u.v.a. hatten eines gemeinsam: Immer war das Model Robert Mapplethorpe. In seiner letzten Darstellung auf dem AIDS-Quilt posiert er als Engel.

Obwohl AIDS in Europa durch moderne Medikamente wie PrEP und ART inzwischen gut behandelbar ist, bleibt der Quilt in vielerlei Hinsicht relevant.

Er ist ein wichtiges historisches Dokument, das an eine Zeit erinnert, in der die staatlichen Reaktionen unzureichend waren und viele Betroffene allein gelassen wurden.

In vielen Teilen der Welt, etwa in Afrika südlich der Sahara, ist AIDS jedoch nach wie vor ein großes Problem. Der Quilt hilft dabei, globale Solidarität zu fördern und zu zeigen, dass die AIDS-Krise noch nicht vorüber ist.

HIV ist auch heute noch mit Vorurteilen behaftet. Der Quilt kann dabei helfen, über HIV/AIDS aufzuklären, Empathie zu schaffen und Stigmatisierung abzubauen.

Anlässlich der Ausstellung in der Tate Modern betonte die britische Gesundheitsministerin: „Diese Regierung ist fest entschlossen, die Zahl der HIV-Neuinfektionen in England bis 2030 zu beenden. Unser kommender HIV-Aktionsplan wird sich nicht nur auf Prävention und Tests konzentrieren, sondern auch darauf, Menschen zu helfen, gut mit HIV zu leben, Ungleichheiten zu bekämpfen und die Unterstützung für alle Betroffenen zu verbessern.“

Ihr Wort in Gottes Ohr
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

 

Quellenangabe

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