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Einfach so schwul

homo.net Info vom 26. März 2026
von Webmaster Jan

 

Was geht in einem 17-jährigen Jungen vor, der zwei Jahre lang mit einem 15-jährigen Jungen in die Tanzschule geht und dabei nur ans Tanzen denkt? Dominik Krause (34, Grüne) wurde am vergangenen Sonntag zum Oberbürgermeister von München gewählt, ohne je ein wirkliches Coming-out erlebt zu haben. Irgendwann merkten die beiden Teenager, dass sie füreinander mehr empfanden als nur sportlich-elegantes Gesellschaftstanzen – und das ist auch gut so.

2001 schrieb Klaus Wowereit (SPD, 72) mit dem Satz „ich bin schwul – und das ist auch gut so“ noch politische Geschichte. Zwischen damals und heute liegen keine Welten, sondern gerade einmal zweieinhalb Jahrzehnte langsamer gesellschaftlicher Gewöhnung.

Ole von Beust (CDU, 69) hat sein Privatleben bereits ohne Versteckspiel geschützt. Als der politischer Gegner versuchte, seine Homosexualität öffentlich zu instrumentalisieren, reagierte von Beust nicht defensiv, sondern entließ den Innensenator. Darauf gewann er die kommende Wahl mit absoluter Mehrheit. Aus dem erhofften Skandal wurde ein Machtbeweis.

Dominik Krause ist seit 17 Jahren liiert, seit zwei Jahren verlobt und wahrscheinlich bald verheiratet. Endlich ist Schwulsein dort angekommen, wo es schon immer hingehört hätte: als ein biografisches Detail unter vielen.

Während Krauses Wahl für viele kaum mehr als eine Randnotiz ist, geriet der Glückwunsch des schwarzen Landesvaters zu einer Szene politischer Unbeholfenheit: Markus Söder (CSU, 59) schaffte es tatsächlich, dem neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt zu gratulieren, ohne dessen so verhasste Partei auch nur zu erwähnen. Dieses Kunststück dürfte jedoch keine Demonstration staatsmännischer Größe sein, sondern politische Ungezogenheit im Maßanzug.

Spätestens beim nächsten Oktoberfest wird sich diese Spannung kaum noch übersehen lassen. Als Oberbürgermeister gehört es zu seinen Pflichten und Ehren, beim – wie er meint – größten öffentlichen Drogenmissbrauch der Welt den ersten Hammerschlag zu meistern.

Wenn ein offen schwuler Grüner das erste Fass ansticht, wird das nicht nur Folklore sein, sondern ein Bild, das mehr erzählt als jede Grundsatzrede von einem veränderten München und von neuem politischen Personal, das mit dieser Veränderung modern umgeht.

Der Gegensatz zwischen Söder und Kraus könnte nicht größer sein: Söder fordert gerade massenweise Kernkraftwerke, deren Neubau jedoch ökonomisch riskant, zeitlich unvereinbar mit den Klimazielen und technologisch kurzfristig sowieso nicht verfügbar ist. Kraus hingegen fokussiert sich auf Elektrifizierung, Verkehrswende, den Ausbau von Bus und Bahn, mehr Raum fürs Fahrrad und eine Stadt, die ihre Klimaziele nicht als Fernziel, sondern als Arbeitsauftrag versteht – hier und heute.

Während der Alte gerne technologieoffen in eine Zukunft mit den Werkzeugen von gestern zurück möchte, versucht der Neue, die moderne Großstadt tatsächlich nachhaltig, gesund, grün und lebenswert zu gestalten.

Darauf freue ich mich
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

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