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Jung, stark und brutal

homo.net Info vom 7. Mai 2026
von Webmaster Jan

 

Sie nennen sich „Jung und Stark“, „Deutsche Jugend voran“, bisweilen auch „Neue Deutsche Welle“. Das klingt wie Pfadfinder oder Popmusik aus dem letzten Jahrhundert, mit Anklang an Naturistenpostillen der 1970er-Jahre. Das Gegenteil ist der Fall. Martialisches Auftreten, gezielte Angriffe auf politische Gegner, Überfälle auf queere Veranstaltungen ist ihr Programm.

Gestern war einer dieser Tage, an denen man den Nachrichten nicht entkommen konnte. Egal, ob man die Tagesschau einschaltete, den Deutschlandfunk hörte, den Tagesspiegel aufschlug oder durch den DW-Ticker scrollte – überall dasselbe Bild: Polizeieinsätze in zwölf Bundesländern, 36 Durchsuchungen, 600 Beamte im Einsatz.

Überall dasselbe Ziel: zwei Jugendorganisationen mit Namen, die klingen wie aus der Mottenkiste der Geschichte. Und überall dieselbe Nachricht, die einen nicht loslässt: Der jüngste Beschuldigte ist 16 Jahre alt. Sechzehn.

Die gestrige bundesweite Razzia war die größte ihrer Art gegen rechtsextreme Jugendnetzwerke. Erschreckend ist nicht nur, was diese jungen Menschen tun, sondern dass sie überhaupt existieren. Dass es 2026 in Deutschland Hunderte Jugendliche gibt, die sich martialisch kleiden, sich in Chats radikalisieren und es sich zur Aufgabe machen, uns zu jagen.

Sie sind seit Mitte 2024 im Visier der Sicherheitsbehörden. Was als reines Internetphänomen begann, schwappte schnell in den analogen Bereich über. Über soziale Medien – allen voran Tiktok und Instagram – werden gezielt junge Menschen rekrutiert. Die Botschaft ist einfach, radikal und gewaltverherrlichend.

Die Gruppen sind bundesweit organisiert, unterhalten Regionalgruppen, halten regelmäßige Treffen ab. Ihre Mitgliederzahl wird auf mehrere Hundert geschätzt, „Jung und Stark“ allein im mittleren dreistelligen Bereich. Und ihre Feinde sind klar definiert: Linke, Ausländer, Schwule.

Das ist kein diffuser Hass aus dem Internet. Das sind Jungs, die vor Ort zuschlagen; die sich zu Gruppen zusammenschließen und ihre Opfer gemeinsam verprügeln – „nicht unerhebliche Verletzungen“ trugen die Attackierten davon, so die Bundesanwaltschaft.

Die haben ein Lieblingsziel: unsere Paraden. Der Christopher Street Day, der Ort, an dem wir Sichtbarkeit feiern, unsere Existenz behaupten – ist für sie ein Angriffsziel.

Konkret bekannt sind Störungen und Angriffe auf CSD-Veranstaltungen. Die Berliner Zeitung dokumentiert, wie DJV-Anhänger im Sommer 2024 Teilnehmer des Berliner CSD angriffen – der Übergang vom digitalen zum analogen Hass. In Essen, wo bereits im letzten Jahr queere Veranstaltungen attackiert wurden, schlugen die Gruppen zu. Überfälle auf Einzelpersonen, Einschüchterungsaktionen auf offener Straße – das ist ihr Repertoire.

Während wir uns streiten, ob die Pride zu laut ist, ob die Flagge noch am Rathaus hängen muss, auf dem Reichstag wehen darf, ob „queer“ vielleicht zu politisch sei, „Homosexualität“ von den schwulen Parteivorsitzenden von CDU und SPD abgelehnt wird, weil sie „furchtbar, steril“ (Jens Spahn CDU) bzw. „klinisch, nach einer technischen Einordnung“ (Matthias Miersch, SPD) klingt, wachsen Hunderte junger Männer heran, die unsere Paraden stürmen wollen.

Besonders perfide ist eine weitere Taktik der Gruppen: Sie geben vor, gegen Pädophilie zu kämpfen. Unter dem Deckmantel des Kinderschutzes suchen sie sich Menschen, die sie für pädophil halten – und greifen sie an. Das ist nicht nur ein Scheinargument, es ist eine direkte Anleihe bei den schlimmsten Verschwörungsideologien, die queere Menschen seit Jahrzehnten als Kindesmissbraucher diffamieren.

Die Parallelen sind unübersehbar: Erst heißt es, Schwule seien eine Gefahr für Kinder. Dann heißt es, Transmenschen gehen nicht auf die richtige Toilette. Und am Ende stehen 16-Jährige vor dem CSD und schlagen zu.

Nur gemeinsam sind wir stark
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

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